Änne Koken: Leben und Werk

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4. Koken-Day am 17.6. 2007 ab 11:00 Uhr im Historischen Museum in Hannover

„Zu der Zeit, als der Gedanke „Kunst in Handel und Industrie“ aktuell zu werden begann, stand sie in der ersten Reihe der deutschen Gebrauchsgrafiker“, heißt es im Künstler-Lexikon Thieme-Becker über die Hannoveraner Malerin und Grafikerin Änne Koken (1885-1919). Sie war eine der ersten weiblichen Gebrauchsgrafikerinnen Deutschlands. In ihrer kurzen Lebenszeit schuf die Tochter des angesehenen Kunstmalers Gustav Koken eine beachtliche Reihe von Werken in den Bereichen Gebrauchsgrafik und Freie Kunst.

In Hannover ist der Name Änne Koken vor allem mit der FA. Bahlsen verbunden, für die sie, mit dem Titel „Künstlerischer Beirat“ versehen, seit 1910 Künstlerlebkuchen, Kekspackungen, Künstlermarken u.v.m. schuf. Für die Reformzeitschrift „Neue Frauenkleidung und Frauenkultur“ entwarf sie seit 1912 regelmäßig Kleider, Hüte, u.a.m. Nachdem die moderne Berliner Zeitschrift „Das Plakat“ in der Ausgabe vom Juli 1913 einen außerordentlich positiven Artikel über die Künstlerin mit vielen Abbildungen ihrer Arbeiten publiziert hatte, wurde sie weithin bekannt und erhielt zahlreiche Aufträge. Änne Koken war Mitglied des Deutschen Werkbundes und stellte auf der berühmt gewordenen, großen Werkbundausstellung in Köln 1914 in verschiedenen Bereichen aus. Im Jahr 1914 wurde sie zudem zur Beisitzerin im Vorstand des Kestner-Museums gewählt.

Die außerordentliche Spannweite und Qualität von Änne Kokens Arbeiten, wie Glasfenster, Schmuck, Kleidung, Hüte, Textilkunst, Postkarten, Plakate, Gebrauchsgrafik aller Art, verkörpern beispielhaft die Ziele und Ideen des Deutschen Werkbundes, der in diesem Jahr sein 100jähriges Bestehen begeht. Im Zusammenwirken von Kunst, Handwerk und Industrie sollte die gewerbliche Produktion veredelt, Schönheit und Kultur in den Alltag getragen werden. Der Werkbundgründung vorausgegangen war der Einsatz für den Urheberschutz, der erstmals die Rechte der Entwerfer des neuentstehenden „industriellen Designs“ sicherte. Auch Änne Koken signierte stets ihre Entwürfe.

Weniger bekannt als die Gebrauchsgrafik sind Änne Kokens malerische Werke: Zeichnungen, Holzschnitte, Gemälde, mit denen sie auf eigene Art, aber würdig die Reihe ihrer Malerahnen fortgesetzt hat.

Der Vortrag „Änne Koken – Einführung in Leben und Werk“ von Dr. Babette Kaiserkern (Berlin), der auf Recherchen im Archiv der FA. Bahlsen, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, der Kunstbibliothek Berlin sowie dem Nachlass der Künstlerin basiert, gibt erstmals einen Einblick in das Schaffen dieser Hannoveraner Künstlerin, die zur Avantgarde ihrer Zeit gehörte.

Der vollständige Text des Vortrages ist bei Dr. Babette Kaiserkern erhältlich.

 


 

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